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Ursprünge im Mittelalter und der frühen Neuzeit
Der Zusammenschluss von Studierenden in eigenen Gemeinschaften reicht bis in die Gründungszeit der europäischen Universitäten im Mittelalter zurück. An mittelalterlichen Universitäten schlossen sich Studierende in sogenannten "Nationes" zusammen – Gruppen, die nach der regionalen Herkunft ihrer Mitglieder gegliedert waren und sich gegenseitig Schutz, Unterstützung und Geselligkeit boten. Aus diesen Nationes entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte die "Landsmannschaften", Zusammenschlüsse von Studenten aus derselben Heimatregion.
Studentenorden und frühe Verbindungen im 18. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert entstanden zunehmend straffer organisierte, oft geheime "Studentenorden" mit eigenen Ritualen, Rangordnungen und Aufnahmezeremonien, die von den zeitgenössischen Freimaurerlogen beeinflusst waren. Aus diesen Orden sowie aus den älteren Landsmannschaften gingen gegen Ende des 18. Jahrhunderts die ersten Korporationen im heutigen Sinne hervor: Gemeinschaften mit eigenen Farben (Couleur), einer festen Ämterstruktur (Chargen) und dem Prinzip des "Lebensbundes" – der Zugehörigkeit über das Studium hinaus als "Alter Herr".
Vielfalt der Korporationsformen im 19. Jahrhundert
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstand eine große Vielfalt unterschiedlicher Verbindungstypen: Neben den Corps entstanden Burschenschaften, Landsmannschaften, Turnerschaften und später auch konfessionell gebundene Verbände wie der katholische Cartellverband (CV) oder das Wingolf im evangelischen Bereich. Jede dieser Richtungen entwickelte eigene Traditionen, Wertvorstellungen und Dachverbände, blieb aber dem gemeinsamen Grundprinzip der Studentenverbindung verpflichtet: einer lebenslangen Gemeinschaft mit gegenseitiger Unterstützung, geselligem Leben und meist eigenen Ritualen und Symbolen.
Nationalsozialismus: Gleichschaltung und Verbot 1933–1936
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurden Studentenverbindungen im Zuge der "Gleichschaltung" massiv unter Druck gesetzt. Der NS-Staat duldete grundsätzlich keine von der Partei unabhängigen Jugend- und Studentenorganisationen; die meisten Verbindungen lösten sich zwischen 1935 und 1936 selbst auf, um einer zwangsweisen Auflösung zuvorzukommen, unabhängig von der jeweiligen politischen Ausrichtung der einzelnen Korporation.
Teilung Deutschlands: Verbot in der SBZ und DDR
Nach 1945 konnten sich Studentenverbindungen in Westdeutschland neu gründen. In der Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR blieben sie hingegen dauerhaft verboten: Als "bürgerlich-reaktionäre" Relikte hatten sie im Selbstverständnis des SED-Staates keinen Platz, einzig zugelassene Jugendorganisation war die FDJ. Verbindungen an Hochschulen, die nun im Osten lagen, bestanden vielfach nur noch über ihre nach Westdeutschland geflüchteten oder übergesiedelten Alten Herren fort, die die Tradition am ursprünglichen Studienort formal am Leben hielten, ohne selbst dort aktiv sein zu können. Trotz des Verbots organisierten sich auch in der DDR selbst vereinzelt Studierende im Verborgenen nach corpsstudentischem Vorbild – ein solcher Zusammenschluss gründete sich unmittelbar nach dem Mauerfall 1990 formell als "Rudelsburger Allianz". Eine Rückkehr und Neugründung an den ursprünglichen ostdeutschen Hochschulstandorten wurde erst mit der Wiedervereinigung 1989/90 wieder möglich.
Verbindungslandschaft heute
Bis heute ist die Verbindungslandschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz vielfältig: Manche Korporationen öffneten sich für Frauen, andere blieben reine Männer- oder Frauenverbindungen; politisch reicht das Spektrum von ausdrücklich linksliberalen bis zu national-konservativen Positionen, viele verstehen sich als politisch neutral.
Gemeinsame Traditionen
Trotz aller Unterschiede teilen die meisten Studentenverbindungen bis heute bestimmte äußere Formen: eigene Farben (Couleur), eine Ämterstruktur mit "Chargen" (Vorstandsämtern), gesellige Zusammenkünfte ("Kneipen") mit eigenem Liedgut und Ritualen sowie – je nach Verband – teils auch das freiwillige oder verpflichtende Fechten der studentischen Mensur.